Justizirrtümer: Geld ist nicht alles
Ein "Rehabilitierung" durch 17 Euro täglich statt bisher 11 ist eine Lachnummer nicht nur für den Einkommensverlust durch einen Gefängnisaufenthalt.
Es gibt keinen Ausgleich für den Imageverlust und für die seelischen Wunden, für die gestohlene Lebenszeit und für die gestohlene Lebenskraft. Schon ein fingierter Strafantrag durch einen Feind kostet Zeit, Geld und Kraft, selbst wenn sich das ganze durch den Ermittler oder Strafrichter als eine geistige Blähung entpuppt.
Nur eine Minderheit von Menschen ist überhaupt intellektuell und im Herzen befähigt, sich gegen einen Justizirrtum aufzubäumen. Wie kommt das? Gibt es ein Rezept?
Mehr Schmerzensgeld ist gut und schön. Auch weitere Maßnahmen des Bundesministeriums für Justiz zur Entschädigung von Opfern durch Verbrechen und Opfern durch Fehlurteile von Gerichten sind zu begrüßen.
Viele Spielfilme thematisieren die fragwürdigen Wahrnehmungen von Polizisten, Ermittlern und Richtern, die zu Fehlannahmen und Fehlurteilen führen. Beispiele für wegbereitende Inszenierungen sind "Zeugin der Anklage" und "Die 12 Geschworenen" aus 1957. Im Wikipedia-Artikel heißt es zu letzterem: "Der Film in seiner Original-Kinofassung von 1957 gilt bei Soziologen und Psychologen bis heute als ein Musterbeispiel zur Anschauung von Rollenverhalten, Gruppenverhalten und gruppendynamischen Prozessen."
Bis in die Gegenwart hinein werden Justizirrtümer hundertfach, ja vielleicht sogar tausendfach in Theater und Literatur thematisiert. Warum wohl, wenn so etwas überhaupt nicht vorkommen kann?
Das Problem liegt in der menschlichen Natur begründet, weil unser Gehirn Beobachtungen vereinfachend interpretiert, um überhaupt etwas leisten zu können. Einige Nervenkranke sind entscheidungsunfähig und in der Folge lebensuntauglich. Gleiches wird bei einigen Genies und auch bei einigen Reichen beobachtet, die für alles Mögliche ihr Personal haben, aber selbst kaum noch etwas auf die Reihe bringen.
Das Problem für ein Opfer der Justiz ist gewaltig, denn es ist ja alles sonnenklar in den Augen der Verantwortlichen. Und die Lügereien und Täuschereien von echten Verbrechern sind wirklich nicht von den Unschuldsbeteuerungen Unschuldiger zu unterscheiden.
Fatal ist: Jeder Indiz, jeder falsche Zeuge hat mehr Gewicht als der Angeklagte selbst. Der Vorverurteilung kann sich kaum jemand entziehen, sobald auf emotionale Weise Partei für "Opfer" ergriffen wird. Dann muß ein Täter her, koste es was es wolle.
Ich gönne niemandem, auf solche Weise in die Mühlen von Justizmitarbeitern zu geraten, auch meinen Feinden nicht, die mir durch üble Verleumdungen und durch Falschanklagen nachstellen.
Was fällt Ihnen dazu ein?
Hans Kolpak
Jura-Weblog

Hans Kolpak said,
Am 24. August wurde ich auf ein Spielfilm aus dem Jahre 1996 aufmerksam, der mit dem Lucio Fulci Award des Fantafestivals ausgezeichnet wurde. “Fatal Frames” spielt mit den Zuschauern in doppelter Weise. Sie läßt uns Partei ergreifen für einen zu Unrecht Verdächtigten. Mehr zu verraten, hieße, den Ausgang der Geschichte vorwegzunehmen.
Hans Kolpak
Jura-Weblog
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